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Malteser Heppenheim

Neues Projekt: Damit der stationäre Aufenthalt für Demenzkranke nicht zur Krise wird

Universitätsmedizin Mainz und Malteser Mainz machen gute erste Erfahrungen mit ihrem neuen Kooperationsprojekt

27.01.2015
Foto zu News
Ulf Reermann, Marc-Anthony Ernst, Friederike Coester, Marion Hahn und Prof. Dr. Andreas Fellgiebel stellten sich den Fragen der Journalisten.
Die Klinikbegleiter sind seit Dezember 2014 in der Universitätsmedizin im Einsatz.

Ein Krankenhausaufenthalt wirft demenzkranke und kognitiv eingeschränkte Menschen oft vollkommen aus der Bahn: Sie verstehen nicht, wo sie sind und was mit ihnen geschieht, die fremden Menschen und die ungewohnten Abläufe machen ihnen Angst. Die Folge sind Unruhe und Abwehrreaktionen. Das Risiko für Komplikationen steigt, der Genesungsprozess kann negativ beeinflusst werden.

Um den besonderen Bedürfnissen von demenzkranken und kognitiv eingeschränkten älteren Patienten zu begegnen, haben die Universitätsmedizin Mainz und der Malteser Hilfsdienst e.V. Mainz gemeinsam das in Rheinland-Pfalz einmalige Projekt „Begleitung im Krankenhaus“ ins Leben gerufen. Nach dem ersten Monat ziehen die Projektpartner ein positives Zwischenfazit.

Speziell geschulte ehrenamtliche Klinikbegleiter übernehmen seit Mitte Dezember 2014 zusätzlich zur regulären Versorgung durch das Klinik-Personal spezielle Aufgaben: Sie betreuen betroffene Patienten stundenweise auf ausgewählten Modellstationen. Vorlesen, singen, spielen oder einfach nur da sein und ein offenes Ohr haben – jeder Besuch verläuft sehr individuell und ganz nach den Bedürfnissen des Patienten.

Insgesamt zehn Klinikbegleiter sind in einer 32 Einheiten umfassenden Schulung von den Maltesern auf ihre Aufgabe vorbereitet worden. In Theorie und Praxis lernten sie die Bedürfnisse von demenzkranken und kognitiv eingeschränkten Patienten sowie Möglichkeiten der Unterstützung kennen.

An zwei Vormittagen in der Universitätsmedizin Mainz erfuhren die Klinikbegleiter in spe zudem mehr über die auch für ihre Tätigkeit wichtigen Themenfelder Datenschutz, Hygiene, Brandschutz und Krankenhaus als System. Für beide Qualifizierungsmaßnahmen hatten die Kooperationspartner vorab ein spezielles Curriculum entwickelt. Die Einsatzplanung erfolgt durch hauptamtliche Mitarbeiter der Malteser und der Universitätsmedizin.

Ziel der Klinikbegleiter ist es, den stationären Aufenthalt der Betroffenen angenehmer zu gestalten und damit den Genesungsprozess zu begünstigen. „Die Kooperationspartner möchten den betroffenen Patienten ihre Angst nehmen und mehr Orientierung und damit Sicherheit vermitteln. Das zentrale Anliegen der Universitätsmedizin Mainz besteht darin, die Versorgungsqualität weiter zu verbessern“, erläutert der Pflegevorstand der Universitätsmedizin Mainz, Marion Hahn. Und ergänzt: „Das Projekt ist ein weiterer wichtiger Baustein unseres Gesamtkonzepts für die Versorgung der von uns behandelten Demenzpatienten. Der erste Schritt war die Gründung der Servicestelle Demenz, die Patienten und Mitarbeitern beratend zur Seite steht und fortlaufend neue Lösungsansätze entwickelt. In der zweiten Konzept-Stufe haben wir ein mehrstufiges Fort- und Weiterbildungsprogramm zum Thema Demenz entwickelt, in welchem wir unser Pflegepersonal spezifischer professionalisieren.“

Um stichhaltige Erkenntnisse auch für die zukünftige Patientenversorgung zu gewinnen, wird das Modellprojekt unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Andreas Fellgiebel, Leiter Forschungsschwerpunkt „Gesundes Altern und Neurodegeneration, Demenz“ an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz wissenschaftlich begleitet. „Uns interessiert, wie wir den Bedürfnissen unserer Patienten am besten gerecht werden können – und zwar möglichst dergestalt, dass der Belastungsgrad für alle Beteiligten gering ist. Die ersten Wochen dieses Kooperationsprojekts zeigen bereits erste Erfolge. Ich freue mich darauf, diese Erfahrungen wissenschaftlich aufzuarbeiten und mit den daraus resultierenden Erkenntnissen die Versorgungsqualität von kognitiv eingeschränkten Patienten weiter verbessern zu können.“

Für die Malteser ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. „Wir sind schon seit vielen Jahren in der Betreuung von Menschen mit Demenz aktiv. Betroffenen Lebensqualität zu schenken und gleichzeitig Angehörige zu entlasten, ist unser erklärtes Ziel. Wir freuen uns sehr, unsere Erfahrung nun auch im klinischen Bereich anwenden zu können“, erklärt Ulf Reermann, Geschäftsführer der Malteser in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Und Friederike Coester, Leiterin des Malteser Demenzdienstes in Mainz, ergänzt: „Unsere ehrenamtlichen Klinikbegleiter sind mit großem Engagement aktiv. Es ist für sie sehr erfüllend mitzuerleben, dass ihr Einsatz dazu beiträgt, den Patienten Ängste zu nehmen und damit Geborgenheit zu vermitteln.“

Das Projekt ist zunächst bis Ende September 2015 angelegt. So lange wird auch die wissenschaftliche Begleitung vom rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium mit rund 21.000 Euro finanziell gefördert. „Bestätigt sich nach Abschluss der Projektphase der erste positive Eindruck, würden wir den Besuch der Klinikbegleiter gerne zu einem festen Angebot werden lassen. Und vielleicht schließen sich andere Krankenhäuser unserem Beispiel an – damit ein stationärer Aufenthalt für Menschen mit Demenz nicht zur Krise wird“, so Friederike Coester.

Weitere Infos zu den Klinikbegleitern finden Sie hier!

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE72370601201201212088  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7