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Malteser Heppenheim

Ein Zwiegespräch von Zwillingen im Mutterleib - oder: Die Frage von Ostern

Ostergruß des Malteser Ortsseelsorgers Norbert Nichell

02.04.2015
© Masson/Fotolia

Henri Nouwen, ein niederländischer Priester, Psychologe und Autor, hat eine Geschichte darüber geschrieben, wie sich Zwillinge im Mutterleib unterhalten. Die Schwester erzählt ihrem Bruder, dass sie an ein Leben nach der Geburt glaubt, an einen Ort, der ganz hell ist. Und noch mehr: Sie glaubt, dass ihr Bruder und sie eine Mutter haben. Der Bruder hält das für ziemlichen Unsinn. Schließlich hätten sie da, wo sie gerade wären, doch alles, was sie bräuchten. Und es wäre auch noch niemand vom Leben nach der Geburt zurückgekommen und hätte von einer Mutter erzählt. Er ist davon überzeugt, dass das Leben nach der Geburt zu Ende ist.

Seine Schwester aber lässt nicht locker. Sie erinnert ihren Bruder daran, dass es diese Momente gibt, in denen es ganz still wird und sie hören, wie ihre Mutter singt, und spüren, wie sie die Welt der Zwillinge streichelt. Und dann wäre noch dieser stechende Schmerz. Der Bruder versteht nicht, was das alles bedeuten soll. Und seine Schwester antwortet: „Ich glaube, dass dieses Wehtun dazu da ist, um uns auf einen anderen Ort vorzubereiten, wo es viel schöner ist als hier und wo wir unsere Mutter von Angesicht zu Angesicht sehen werden. Wird das nicht aufregend sein?“ (nach Henri J. M. Nouwen, Die Gabe der Vollendung. Mit dem Sterben leben, Freiburg: Herder 1994)
 
Eine Geschichte, die uns schmunzeln lässt und zugleich nachdenklich machen kann:

  • „Welche Bilder habe ich vom Leben und erwarte ich etwas `danach´?“
  • „Wie sind MEINE Vorstellungen von einem `Leben nach dem Tod´?“
  • „Welche Bilder habe ich vom Leben hier und später?“

Fragen, die uns diese Geschichte im Blick auf das vor uns liegende Osterfest stellen kann… – eine Einladung, zum Fest der Auferstehung Jesu auch meine eigenen Vorstellungen von Leben, Tod, der Auferstehung dazu zu legen…

In diesem Sinne wünsche ich uns allen die Osterfreude an dem, was uns geschenkt wird, was uns das Leben manchmal „zu-muten“ (das steckt „Mut“ drin!) mag, wie auch all die „erlösenden Erfahrungen“, die uns helfen, unseren ganz eigenen Weg zu gehen – mit der Erfahrung: „… und es gibt in allem einen (guten) Weg, den ich gehen kann und darf“!

Ihr und Euer Ortsseelsorger der Mainzer Malteser
Norbert Nichell

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