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Malteser Heppenheim

Junior-Demenzbegleiter: 1. Preis der Mainzer Rotary Clubs für Soziales Engagement

08.07.2015
Sara Natale und Isabel Kahl nahmen den Rotary-Preis entgegen.
Bei einem Sommer-Ausflug des Café Malta waren die Junior-Demenzbegleiter mit dabei.
Die Schülerinnen haben viel Freude beim Umgang mit den älteren Menschen.
Die frischgebackenen Junior-Demenzbegleiter erhielten ihre Zertifikate bei einer Feierstunde im Dezember.
Intensiv wurden die Schülerinnen auf ihren Einsatz im Café Malta vorbereitet - bei dieser Übung trugen sie einen Altersanzug.

Herzlichen Glückwunsch unseren Junior-Demenzbegleitern! Sie sind mit dem 1. Preis der Mainzer Rotary Clubs für soziales Engagement ausgezeichnet worden. Isabel Kahl und Sara Natale (Maria-Ward-Schule) nahmen den Preis, der mit 500 Euro dotiert ist, gestern (7. Juli) entgegen. Die neun Junior-Demenzbegleiter wurden im vergangenen Jahr ausführlich geschult und helfen seitdem im Café Malta, einer betreuten Gruppe für Menschen mit Demenz, mit. Außerdem unterstützen sie die Besucher bei den ökumenischen Gottesdiensten für Menschen mit Demenz.

Hier geht's zum ausführlichen Bericht in der AZ Mainz!

Und hier lesen Sie einen sehr eindrucksvollen Bericht der Preisträgerinnen: "Wie wir zu Junior-Demenzbegleiterinnen wurden"

"Junior-Demenzbegleiter? Das klingt erst mal widersprüchlich. Demenz ist eine Krankheit, die vor allem ältere Menschen betrifft – doch was hat man als Jugendliche damit zu tun? Diese Frage stellten wir uns, als unser damaliger Klassenlehrer Herr Steinmeyer im April 2014 Flyer der Malteser in der Klasse verteilte. Der Flyer warb für ein „außergewöhnliches Generationenprojekt“. Der Titel war interessant und machte neugierig: „Junges Gemüse – altes Eisen?“ – Begegnung der Generationen. Wir, Sara Natale und Isabel Kahl aus der damaligen 8e, wollten das Projekt kennen lernen und meldeten uns an.

Ab Mitte Mai trafen wir uns mit sieben anderen Mädchen aus Mainz einmal pro Woche bei den Maltesern. Zwei Monate lang hieß es: Theorie lernen. Was ist Demenz? Woher kommt sie und wie macht sie sich bemerkbar? Und vor allem: Welche Bedürfnisse haben Menschen mit Demenz und wie geht man am besten mit ihnen um? Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns unter Anleitung von Projektleiterin Katharina Minges.

Wir lernten, dass Demenz eine Krankheit ist, die in Zukunft immer mehr Menschen betreffen wird. Weil die Medizin heute viele Krankheiten heilen kann, werden wir alle viel älter als unsere Vorfahren. Mit zunehmendem Alter steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Demenz ist also die andere Seite des medizinischen Fortschritts. Weil schon jetzt über 1,5 Millionen Deutsche an Demenz erkrankt sind, ist es wichtig, darüber Bescheid zu wissen und sich um die betroffenen Menschen gut zu kümmern. Die Malteser tun das schon länger.

Sie betreiben im Gemeindezentrum der Peterskirche an der Großen Bleiche das Café Malta. Dort werden Menschen mit Demenz jeden Donnerstag von 14 bis 17 Uhr betreut, damit die Angehörigen mal einen freien Nachmittag haben. Viele Demenzkranke werden nämlich von ihrer Familie versorgt und das kann sehr anstrengend sein und viel Zeit kosten. Im Café Malta verbringen sie einige schöne Stunden bei Kaffee und Kuchen, während ihre Angehörigen in dieser Zeit andere Dinge erledigen oder sich einfach mal erholen können.

Im Café Malta arbeiten vor allem ehrenamtliche Demenzbegleiter. Das Projekt diente dazu, uns Jugendliche so auszubilden, dass wir sie in der Betreuung der alten Menschen unterstützen können. In den Theoriestunden lernten wir, dass bei Demenzkranken zwar viele Fähigkeiten im Laufe der Zeit schwächer werden, zum Beispiel Zeitverständnis, räumliche Orientierung und vor allem das Gedächtnis. Was sie aber nicht verlieren, ist die Fähigkeit,  Gefühle zu empfinden. Sie genießen menschliche Nähe und wollen in Gemeinschaft sein.

Und auch wenn das Kurzzeitgedächtnis immer schwächer wird, erinnern sie sich noch an frühere Ereignisse und freuen sich zum Beispiel darüber, wenn Lieder aus ihrer Jugendzeit gesungen werden. Wir überlegten gemeinsam, was den alten Menschen Freude machen und ihnen positive Erinnerungen bringen könnte. Einmal durften wir einen Alterssimulationsanzug  tragen und mit einem Rollstuhl fahren. Das half uns dabei, uns in die Lage der Betroffenen besser hineinzuversetzen.

Ab Mitte Juli gingen wir dann donnerstags ins Café Malta. Wir lernten hier ganz unterschiedliche Menschen kennen, bei denen die Demenz verschieden stark ausgeprägt war. Zu einigen fanden wir schnell Kontakt, andere waren zurückhaltender. Wir hatten bei vielen den Eindruck, dass sie das Zusammensein mit uns Jugendlichen gut fanden, vielleicht auch, weil wir sie an ihre Enkel oder an die Jugend ihrer eigenen Kinder erinnerten. Wir haben gemeinsam Spiele gemacht, gesungen, geredet. Besonders schön war das gemeinsame Plätzchenbacken im Advent.

Am Ende unserer Ausbildung bastelten wir für die Gäste „Erinnerungskisten“. Jede von uns bekam einen bestimmten Gast des Café Malta zugeordnet und stellte für ihn in einem Schuhkarton Dinge zusammen, die seinen früheren Vorlieben und Erfahrungen entsprach. Eine alte Dame, die immer gern gegärtnert hatte und eine Spielzeugliebhaberin war, erhielt in ihrer Erinnerungskiste zum Beispiel Blumensamen, ein kleines Gießkännchen und einen Teddy. Auch sind Fotos von früher oder von der Heimat, wertvolle Erinnerungen, die positiv auf Menschen mit Demenz wirken können. 

Am 18. Dezember bekamen wir unsere Abschlusszertifikate. Die Malteser machten dazu eine schöne Feier, bei der verschiedene Reden gehalten und Fotos aus unserer Ausbildungszeit gezeigt wurden. Außer Eltern und Lehrern waren auch einige Gäste aus dem Café Malta mit ihren Angehörigen dabei.

Wir gehen jetzt ein- bis zweimal im Monat ins Café Malta und helfen dort mit. Das Café Malta zeigt alten Menschen, dass sie ein Teil der Gemeinschaft sind. Gleichzeitig vermittelt es uns Jugendlichen ein Verständnis für das Alter. Wir finden, dass sich die Ausbildung für uns sehr gelohnt hat, denn wir haben viel gelernt, was uns in Zukunft, vielleicht auch einmal in unserer eigenen Familie, hilfreich sein wird."

Isabel Kahl und Sara Natale, Klasse 9e

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE72370601201201212088  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7