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Malteser Heppenheim

Am 10. Februar ist Tag der Kinderhospizarbeit: Leben im Hier und Jetzt

03.02.2017
Leben im Moment. Foto: Malteser
Leben im Moment. Foto: Malteser

In einem Kinderhospiz zu arbeiten, erfordert viel Einfühlungsvermögen. Was erleben Ehrenamtliche, die Eltern und Kinder in dieser schwierigen Lebensphase begleiten? Ein Besuch beim ambulanten Kinderhospizdienst in Darmstadt.

Ein bunter Wandbehang aus Filzwolle hängt im Gemeinschaftsraum des Malteser Hospizdienstes in Darmstadt. Ehrenamtliche Hospizbegleiter haben ihn gemeinsam gestaltet. So vielfältig wie die Farben und Formen auf dem Kunstwerk ist auch der Umgang mit dem Tod in Familien mit einem sterbenden oder schwerkranken Kind.

Der Kinderhospiz- und Familienbegleitdienst Südhessen ist für alle Menschen offen, unabhängig von Glaube und Herkunft. „Für mich ist die Hospizarbeit gelebte urchristliche Nächstenliebe“, sagt die Koordinatorin Bettina Mathes. Die Anfragen für Begleitungen kommen oft von Kinderkliniken, Familien oder auch Schulen und Kindergärten.

Unterschiedliche Bedürfnisse in Familien

Familien mit sterbenden Kindern haben unterschiedlichste Bedürfnisse: Die Ehrenamtlichen kümmern sich nicht nur um das kranke Kind. Sie schauen nach der ganzen Familie. Eltern möchten zum Beispiel oft mit jemandem reden oder brauchen Unterstützung bei Behördengängen und Arztbesuchen. Die Geschwisterkinder freuen sich, wenn jemand da ist, der ihnen vorliest oder mit ihnen auf den Spielplatz geht, weil die Eltern oft weniger Zeit für sie haben – viel Aufmerksamkeit brauchen sie für das kranke Kind. Die Hauptaufgabe der Ehrenamtlichen ist es, da zu sein, ohne etwas zu fordern. „Viele Eltern möchten erst einmal gar nicht, dass zunächst Fremde zu ihnen nach Hause kommen. Dafür muss erst Vertrauen wachsen“, sagt Koordinatorin Bettina Mathes.

Ehrenamt mit viel Einfühlungsvermögen

Um ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen, sind einige Eigenschaften wichtig, wenn man sich als Ehrenamtliche beim Hospizdienst engagieren möchte. Die Ehrenamtlichen werden geschult, bevor sie Familien begleiten können. In der Ausbildung geht es zum Beispiel um Themen wie lebensverkürzende Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, pflegerische und rechtliche Aspekte sowie die eigene Auseinandersetzung mit Leben, Krankheit und Tod.

Steffi Stuckert begleitet seit drei Jahren Familien. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass es sehr wichtig ist, zuverlässig und offen zu sein, um den Familien in der instabilen Situation Halt geben zu können. Auch bei ihr zuhause wird jetzt öfter über das Thema Tod gesprochen. „Ich habe von den sterbenden Kindern gelernt, dass sie mehr im Hier und Jetzt leben und weniger mit ihrer Krankheit hadern als Erwachsene“, sagt sie. Sie macht oft Fotos in den Familien, die später als Erinnerungen angeschaut werden können.

Die Begleitung der Familien dauert so lange, wie sie das wünschen. Manche brauchen nur am Anfang Unterstützung. Bei anderen Familien reicht die Begleitung bis über den Tod hinaus: Die Malteser bieten auch Trauerbegleitung an. Steffi Stuckert hat eine Familie begleitet, in der der Vater verstorben ist. „Als ich auf der Beerdigung mit dabei war, wurde mir deutlich, dass Kinder nicht zu sehr mit der Trauer der Erwachsenen beladen werden sollten“, sagt sie.

Bettina Mathes hat die Erfahrung gemacht, dass die Geschwisterkinder oft sehr angepasst auf die Situation reagieren, weil sie den Eltern nicht noch zusätzlich zur Last fallen wollen. Auch für die Ehrenamtlichen kann die Situation belastend sein. „Ja, manchmal bin ich auch böse auf Gott“, antwortet Steffi Stuckert, die grundsätzlich daran glaubt, dass auch alles Traurige seinen Sinn hat. „Aber manchmal frage ich mich schon, warum das jetzt sein muss, und diese Frage wird mir nicht immer von Gott beantwortet“, sagt sie. Deshalb gibt es für die Ehrenamtlichen auch Gruppentreffen und Supervisionen, um über ihre Erfahrungen und Gefühle zu sprechen. Der Wandteppich im Gruppenraum zeigt, wie vielfältig und bunt diese sein können.

Der Beitrag erschien in der Zeitschrift "Glaube und Leben". Sie können ihn auch auf der Homepage nachlesen.

Weitere Informationen zum Kinderhospiz- und Familienbegleitdienst in Darmstadt lesen Sie hier.

Weitere Informationen

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